06 Das neue Büttelhäs
Beim Zunftabend am 14. Januar ging ein lange gehegter Traum des Jahresprogrammteams in Erfüllung. Ein neues Häs für die Büttelfigur der Wangemer Narrenzunft konnte an die Zunft übergeben werden. Nach vielen Überlegungen, Entwürfen und Gestaltungsideen entstand eine närrische Uniform, die sicher weit und breit ihres Gleichen sucht.
Bereits nach der Anschaffung der Narrenfahne durch die Hästräger vor nunmehr 10 Jahren keimte beim Jahresprogrammteam der Gedanke, als nächstes Ziel ein neues Büttelhäs anzuschaffen. Die Figur des Büttels tauchte bereits vor fünfzig Jahren auf vielen Fotos des närrischen Geschehens in Wangen auf. Es gibt noch Fotos von Franz Haltmaier im Büttelhäs, und durch viele Fasnetszeiten war Hedwig Jann „dr Büttel“. Diese war, unbestreitbar, ein echtes närrisches Gewächs der Wangemer Fasnet und allen älteren Wangemer Bürgern ist die Gestalt mit dem dicken Schnurrbart, dem Tschako auf dem Kopf und dem Säbel in bester Erinnerung. Bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts trug „Hedel“ Jann das Häs. Auch später wurde das Büttelhäs sporadisch angezogen, bis es dann von Uli Müller wieder regelmäßig in der Wangemer Fasnet getragen wurde.
Leider waren nicht alle Teile des Originalhäses im Zunftbesitz, und so wünschte sich des Jahresprogrammteam ein neues Häs, das dieser Figur Ansehen und frischen Glanz verleihen sollte und von der Zunft an den jeweiligen Träger verliehen werden sollte.
Da ja auch solche Ideen Zeit brauchen um zu wachsen und um Realität zu werden, wurde die Anschaffung des Bildes von Jürgen Frankenhauser-Erlitz für das Narrenstüble zuerst in Angriff genommen, nachdem diese Hürde genommen war, wurde der Gedanke des neuen Büttelhäses wieder aufgenommen.
Nach Beratungen mit der Uniformfabrik Nägele und mit unserem Stadtarchivar Dr. Rainer Jensch erstellte Bruno Schöllhorn den ersten Entwurf zum Häs und arbeitete ihn nach Rücksprache mit Jürgen Hohl zusammen mit Bernd Rothacker weiter aus. Vor einem Jahr stand dann der Gesamtentwurf fest.
Brauchtumswart Reinhold Schneller übernahm dann die Betreuung und Organisation der endgültigen Anfertigung des Häses. Dank seiner Bemühungen in den letzten Monaten konnte „unser Büttel“ nun rechtzeitig fertig gestellt werden. Mit unserer „Hausschneiderin“ Karin Stiefel wurde eine Schneiderin gefunden, die mit vielen Ideen zu Details der Anfertigung ebenfalls maßgeblich zum Gelingen des Häses beitrug.
Unser Brauchtumswart besorgte mit großem Einsatz die „Utensilien“, die zu so einer Uniform gehören. Passende Stiefel mussten auf Maß angefertigt werden, eine Hutmacherin musste gefunden werden, ein Lieferant für Ledergurt und Patronentaschen aufgetrieben werden. Reinhold löste mit großem Einsatz alle auftretenden Probleme. Mussten doch viele
Ideen des Entwurfs vom Papier auch in die Realität umgesetzt werden, was ja bekanntlich oft nicht so einfach ist, wie sich die Ideengeber das so vorstellen.
Zunftmeister Bernd Rothacker besorgte ein wichtiges Utensil des Büttels, die große Schelle. Von unserem Lieferanten für Orden und Pins Horst Rössler erhielt die Zunft, dank der guten persönlichen Beziehungen zu ihm und seiner Firma, einen passenden Säbel geschenkt.
Die Uniform unseres Büttels wurde bewusst nur an die tatsächlichen Uniformen des 17. und 18. Jahrhunderts angelehnt. Wir stellten uns keine typische Bürgerwehruniform vor, sondern aus allen Details sollte klar ersichtlich sein, dass dies eine närrische Figur ist. Der fasnächtliche Bezug zu unserer Zunft wird deutlich durch die gelben und grünen Plätzle auf dem Brustharnisch, am Kragen und an den Ärmelstulpen. Ganz und gar närrisch sind die goldenen Epauletten auf den Schultern, die nicht aus Goldlitzen und Troddeln, sondern aus vergoldeten Haushaltsbürsten gefertigt sind. Unter der Uniformjacke trägt der Büttel eine weiße Bluse und eine Weste. Die Farben sind mit schwarzen Stiefeln, brauner Hose, weinroter Weste und Jacke in vornehmen Tönen gehalten. Der schwarze Zweispitz trägt ebenfalls närrische Verzierungen.
Unser Wunsch ist, dass dieser Büttel neben dem alten Originalhäs, das natürlich nicht verschwinden soll, eine wichtige Rolle im Rahmen der Wangemer Fasnetszeremonien einnehmen soll. Da das Häs maßgeschneidert wurde, musste der ausgewählte Büttel sich auf Jahre hinaus verpflichten, das Häs während der Wangemer Fasnet und auf den von uns besuchten Landschaftstreffen zu tragen. Ihm ist auch die Rolle des Zeremonienmeisters beim Narrenbaumsetzen und -fällen zugedacht. So wird unser Narrenschreiber Klaus Fischer der erste Narr im neuen Büttelhäs sein.
Wir danken den Maskenträgern, die mit ihrem Einsatz über Jahre hinweg das Geld erwirtschafteten um das Häs zu erwerben. Ein herzliches Dankeschön allen, die bei der Entwicklung und Gestaltung mitwirkten, und wir wünschen Klaus Fischer viel Spaß, Freude und Erfolg in seinem neuen Häs.
Bruno Schöllhorn

