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An der Schwelle zur Neuzeit

An der Schwelle zur Neuzeit wandelte sich das Bild in der theologischen Betrachtung und Haltung zu dieser Fastnachtszeit. Wohl wurde diese Zeit ausgelassenen Tuns noch beibehalten, die Kirche setzte jedoch in der augustinischen Denkweise die These an von der „Zweistaatenlehre“, die Fasnacht wurde identifiziert mit der „civitas diaboli“, dem Teufelsstaat, die Fastenzeit dagegen mit der „civitas Dei“, dem Gottesstaat. Und mit dieser Wandlung in der inhaltlichen Gestaltung der Fasnacht entstand auch eine Wandlung der dabei verwendeten Fasnachtsfiguren. Waren dies am Anfang ab dem 14. Jahrhundert noch frei gewählte Vermummungen, kristallisierten sich nun ganz bestimmte Formen heraus, und zwar vornehmlich Negativgestalten. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren dies vornehmlich Teufelsfiguren, und auch die vielerorts gebräuchlichen Tierfiguren wurden immer „höllischer“. Auch ist wieder die direkte Verbindung zur Kirche zu sehen, denn vielfach wurden dieselben Kostüme zur Fasnacht wie für kirchliche Feste, bei denen Darstellungen benötigt wurden (z.b. Fronleichnamsprozession), verwendet. Hier finden sich auch die Ursprünge der heute viel benutzten Hexenfiguren.

Als Maskenmaterial wurde Ton verwendet. Deshalb gibt es auch praktisch keine erhaltenen Masken aus dieser Zeit. Sie wurden einfach benutzt, bis sie zerbrachen.

Die Figur des Narren entwickelte sich aus dem 1. Satz des Psalm 23, in dem es heißt: „Der Narr sprach in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott.“ Werner Mezger zeigte uns an Hand der Bilder in den handgemalten Bibeln und Psaltern, wie sich das Bild dieses Narren entwickelte. Vom Esel zur Narrenfigur mit den Zipfelohren und der Marotte, die sich z.B. heute noch im Narrenszepter zeigt. Diese Figur wurde mit Ende des 15. Jahrhunderts zur zentralen Gestalt der Fasnacht. Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Bräuche um die Fasnacht in voller Blüte – sofern sie nicht durch die Reformation abgewürgt wurden. Fasnacht war ab der Reformation und der Hinwendung der politischen Staats- und Stadtgebilde zu Luther eine rein katholische Sache. In den Orten, die sich zur Reformation bekannten, wurden die Fasnachtsbräuche nach und nach weitgehend ausgelöscht.

Im 17. Jahrhundert nun wurden die Vermummungen immer kunstvoller, ihren ersten Höhepunkt erlebten die Holzmasken im Barock. Feine Charakterzüge, oftmals in der Art der Barockputten wurden geschnitzt, da die groben Tonmasken ja nie lange haltbar waren. Und im 18. Jahrhundert hielt der „Karneval“ seinen Einzug, die typischen Figuren wie Bajazzo und Harlekin (ebenfalls Figuren, die aus der katholischen Narrenfigur entstanden) tauchten auch im süddeutschen Raum auf. Dennoch war Fasnacht weiterhin eine ziemlich „rohe“ Sache, die Aufzeichnungen von Schlägereien, Rüpeleien und Überschreitungen der Gebote berichten davon. Das Ansehen dieser Fasnachtsbräuche sank, die Bürger setzten sich ab von diesen Bräuchen, und zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwanden die traditionellen Maskierungen und Narrenläufe immer mehr. Durch das gewandelte Glaubensverständnis war Fasnacht auch nicht mehr für die Kirchen von wichtiger Bedeutung, und der Obrigkeit kam diese Bewegung natürlich entgegen.

Aber zu Ende des ersten Viertels des 19. Jahrhunderts setzte eine gegenläufige Bewegung ein. Im Rheinland versuchten erste Komitees, das Narrentreiben in geordnete Bahnen zu lenken und es durch entsprechende Formen aufzuwerten. Auch im Schwäbisch-alemannischen Raum trat diese Bewegung ein, ja sogar offiziell unterstützt durch die staatliche Obrigkeit, nachdem diese einsah, dass ein vollkommenes Verbot der Fasnachtsaktivitäten nicht durchsetzbar war. Und so entstand, wie in der realen Gesellschaft, ein „Zweiklassensystem“: Das einfache Volk ging weiterhin zum „Narren“ auf die Straße, die Bürger jedoch feierten Karneval (auch der Begriff: „Karneval“ lässt sich auf christlichen Ursprung und den Beginn der Fastenzeit zurückführen: carnislevamen – Fleischwegnahme) auf den Bällen mit kunstvollen Vermummungen und Charaktermasken. Mit der Zeit bewältigten sich in den Städten die Karnevalskomitees auch der Strasse. Bereits Mitte des 19. Jhrh. Wurden große Umzüge abgehalten, meist mit exotischen Themen. Da zog, wie z.b. in Wangen, der Prinz von Marokko ein, wurden chinesische Feste gefeiert und dgl. mehr. Und diese Entwicklung fand überall statt, auch in den heutigen Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Nur in wenigen Orten überlebte die alten Sitte der Straßenfasnet.

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Fasnacht im späten Mittelalter Restauration und Neubeginn