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Der Bonifare-Orden

Der Bonifari-Orden

höchste - und gewichtigste - Auszeichnung der Wangemer Narrenzunft (mit Kette über ein halbes Kilo schwer!)

von Walter Sterk

Die Anfang der fünfziger Jahre wieder ins Leben gerufene Narrenzunft Kuhschelle weiß-rot der Stadt Wangen hatte in den ersten 6-7 Jahren außer der Kuhschelle nur einen Orden, die kleine Schelle. Die größere Schelle war zumeist ein Funktionsorden, d.h. ihr Träger hatte innerhalb der Zunft eine bestimmte Funktion inne. Dies galt bis in die sechziger Jahre hinein auch für Kommunalpolitiker, also Narren außerhalb der Zunft. Sie erhielten zur Ehre die kleine Schelle. Ich denke dabei an den Bürgermeister der Stadt und auch an den Landrat, den Dekan des Dekanats Wangen und an einige besondere Förderer der Zunft, wie z.B. Direktor Eberhard von der Spinnerei.

Erst allmählich, Anfang der sechziger Jahre, ließ die Narrenzunft weitere Orden entwickeln. Bis heute interessant sind die beiden Verdienstkreuze, von deren Trägern heute nicht mehr viele in der Fasnacht aktiv sind.

So etwa ab 1967/68 wurden fast regelmäßig Jahresorden verliehen. Diese Flut von Orden bewirkte, dass Anfang der achtziger Jahre über einen wieder wirklich bedeutenden Orden nachgedacht wurde. Dieses Nachdenken führte zu einem Gespräch zwischen dem damaligen Zunftmeister Heinz Prasser und Oberbürgermeister Dr. Jörg Leist. Letzterer bot an, einen Entwurf machen zu lassen.

Der darauf geschaffene in Bronze gegossene Entwurf stammt von Bonifatius Stirnberg, einem Künstler und Bronzegießer aus Aachen, der damals eine Reihe von Brunnen für die Stadt Wangen schuf.

Der erste Entwurf war schon ganz beachtlich – ein gravierender Fehler wurde allerdings gemacht: das Aneweible hatte einen Rock an, und deshalb wurde eine Überarbeitung notwendig. Die Korrektur wurde von den Narrengrößen gut geheißen, und die Produktion konnte beginnen.

Soweit, so gut, der gewichtige Hauptorden (mit Kette immerhin 525 Gramm schwer) war da. Nun musste er noch einen Namen erhalten. Hierzu durfte ich beitragen, indem ich meine Lateinkenntnisse zusammenkramte und aus dem Vornamen des Künstlers Bonifatius, dem Wohltäter, den Namen „Bonifare = Gutes Tun“ ableitete und der Narrenprominenz zur Namensgebung vorschlug. Alle, voran der Ehrenzunftmeister Anton Schnetz und natürlich Zunftmeister Heinz Prasser, sowie die seinerzeit zahlenmäßig bescheidene Vorstandsschaft, waren einverstanden. Damit konnte erstmals 1985 dieser Orden vergeben werden.

Übrigens, der Narrenruf der Wangemer Narrenzunft lautete etwa das erste Jahrzehnt lang nur „Schelle, Schelle, Schelle“, bis daraus dann „Schelle, Schelle – Schell-au“ geworden ist.

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